Hier erhältst Du einige Informationen über den Einsatzort und über die Situation der Menschen in den Bateys von Santo Domingo.

 


Hintergrundinformationen und Einsatzorte

Café con Leche unterstützt ein Bildungs- und Fußballsozialprojekt in den Armutsvierteln Caballona und Lechería – sogenannten Bateys – in der Hauptstadt der Dominikanischen Republik Santo Domingo.

 

Die Dominikanische Republik, so wie viele Länder Lateinamerikas, weist abseits der vorwiegend von Europäern und Nordamerikanern besuchten Touristengebiete nach wie vor für viele Bewohner schlechte Lebensbedingungen auf. Dies impliziert die folgenden Probleme eines solchen Staates: während die wohlhabende Oberschicht, die lediglich 1/10 der Bevölkerung ausmacht, über mehr als 37% des Bruttoinlandsproduktes verfügt, befindet sich der Großteil der übrigen Population in einer prekären Situation. Bedingt durch eine hohe Arbeitslosigkeit hat ein Großteil der Bevölkerung oftmals nur eine Gelegenheitsarbeit. Diese sozialen Konflikte werden durch den politischen Grundkonflikt mit dem im Westen der Insel Hispaniola gelegenen Haiti noch verschärft. Die Wurzeln dieser gesellschaftlichen Spannungen gehen zurück bis zur Unabhängigkeit der Dominikanischen Republik von seinem Nachbarland im Jahr 1844.

 

Besonders Großgrundbesitzer der dominikanischen Zuckerplantagen griffen in den letzten beiden Jahrhunderten immer wieder auf die billige Arbeitskraft haitianischer Geflüchtete zurück, die ihrerseits ihr Land verließen, um in der Dominikanischen Republik arbeiten zu können. So wird heute nach Schätzungen von einer Zahl von mindestens 500.000 illegal lebenden Haitianern ausgegangen.

 

Durch diese historisch bedingten Tatsachen hat die haitianische Bevölkerungsgruppe bis heute einen sehr schweren sozialen und politischen Stand in der Dominikanischen Republik. Größtenteils von der Regierung ignoriert, leben nunmehr die Nachfahren der ehemaligen PlantagenarbeiterInnen dort, wo sich die großen Zuckerplantagen befanden – an den Stadträndern Santo Domingos –, in prekären Zuständen in den sogenannten "Bateys".

 

Die haitianische Bevölkerung hat heutzutage mit mehreren Grundproblemen zu kämpfen:

 

Infrastrukturelle Probleme

Die in den Bateys lebende haitianische Bevölkerung ist mangelhaft an Infrastruktur, wie Strom- und Wasserversorgung angeschlossen. Durch die unzureichende Infrastruktur ist ein Arbeiten in anderen Stadtteilen Santo Domingos nur sehr schwierig möglich. Vor allem der Wassermangel bedingt viele Alltagsschwierigkeiten. Die resultierenden schlechten Hygienemöglichkeiten und mangelnde Trinkwasserversorgung begünstigt besonders Ansteckungskrankheiten, wie der Ausbruch der Cholera im Jahr 2010 auf Hispaniola gezeigt hat.

 

Bildungsdefizite und Mangel an Aufklärung:

Obwohl vereinzelte staatliche Schulen in den Bateys existieren, ist die Grundversorgung für Bildung nicht gesichert. Viele Kinder lernen nicht Lesen und Schreiben, da die Schulpflicht nicht kontrolliert wird und die Kinder und Jugendlichen oftmals auch zum Erwerb ihrer Familien beitragen müssen. Durch die mangelnde (Schul-)Bildung der Jugendlichen fehlt auch Aufklärung über Sexualität und Drogen im Kindesalter: Junge Mädchen werden häufig schon im Alter zwischen 12-18 schwanger und müssen die Schule abbrechen.  Die AIDS-Rate der Jugendlichen wurde zwar noch nicht empirisch ermittelt, man nimmt jedoch an, dass sie sich stetig erhöht. Der Konsum von Cannabis, Kokain und das Schnüffeln von Industrie-Klebstoff ist täglich zu beobachten.

 

Arbeitslosigkeit und Staatenlosigkeit:

Viele HaitianerInnen besitzen keine persönlichen Dokumente, wie eine Geburtsurkunde oder einen Personalausweis. Der dominikanische Staat weigert sich immer mehr auf dominikanischen Boden geborene Nachfahren haitianischer Geflüchtete anzuerkennen. Sie sind damit staatenlos, wodurch ihnen einerseits das Recht auf die schon ohnehin spärlichen Sozialleistungen des dominikanischen Staates und andererseits Chancen, einen Job zu erlangen, versagt bleiben. Durch fehlende Ausweisdokumente wird somit nicht selten Zuflucht bei inoffiziellen Tätigkeiten oder am Schwarzmarkt gesucht, was die gesellschaftlichen Differenzen noch weiter auseinander gehen lässt.

 

Ethnische Ressentiments und Rassismus:

In jüngster Vergangenheit hat sich durch das verheerende Erdbeben in Haiti im Sommer 2010 die Situation der haitianischen Bevölkerungsgruppe noch einmal drastisch verschlechtert. Viele Geflüchtete kamen über die Grenze in die Dominikanische Republik und suchen vermehrt Arbeit und Unterkunft, was auf großes Missfallen des Dominikanischen Staates und der Bevölkerung stößt. Haitianer leiden darüber hinaus aufgrund ihrer afrikanischen Herkunft unter Rassismus und Vorurteilen der dominikanischen Bevölkerung.

 

Quellen:

1. Annicka Oettler, Die lateinamerikanische Bevölkerung. In: Informationen zur politischen Bildung 300 (2008). 

2. M.R. Trouillot, Carribean: Sociocultural Aspects. In: International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences. S. 1484-1488.

 



Vereinsname

Der Name  "Café con Leche" und die Gestaltung des Vereinslogos wurden aus ganz bestimmten Gründen gewählt. Neben seiner Grundbedeutung – Milchkaffee – wird "Café con Leche" in Teilen Lateinamerikas und besonders in der Dominikanischen Republik als mit einem Augenzwinkern gebräuchliches Sprichwort für das Zusammenleben der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen verstanden und verwendet.

 

Auch unser Vereinsname Café con Leche soll metaphorisch für die Integration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen in die dominikanische Gesellschaft stehen. Er steht für das Brückenbauen zwischen der dominikanischen Oberschicht und der in sozialer Armut wie politischer Marginalisierung lebenden Bevölkerung.

 

Für die SpielerInnen von Café con Leche hat diese Symbolik eine ganz besondere Bedeutung: Sie sind die Nachfahren von afrikanischen Sklaven, die von dominikanischen Großgrundbesitzern am Anfang des 20. Jahrhunderts als billige Arbeitskräfte für ihre Zuckerplantagen gekauft wurden.

 

Die Viertel Caballona und Lechería, in denen Café con Leche tätig ist, befinden sich am Stadtrand von Santo Domingo, wo noch heute die Arbeiter der das ganze Land prägenden Zuckerrohrplantagen leben. Somit erhält Café con Leche auch seine soziale Bedeutungsebene.



Anfänge des Vereins

Die gemeinsame Idee und die Überzeugung des Nutzens, Sport in das Leben der jungen Menschen im Batey zu bringen und die Sorge um fehlende Nachhaltigkeit des Projektes brachten Manuel, José, Sylvester und Sebastian im Dezember 2009 zusammen.

 

Im darauffolgenden Jahr wurde Café con Leche e.V. in Deutschland ins Leben gerufen, um in Zukunft ein langfristiges Fußball- und Bildungsprojekt in Santo Domingo zu schaffen.